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Heimat: Cuxhaven-Altenwalde

 

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Volker Bahr - Heimat

 

 

Seiner Heimat kann man sich auf sehr unterschiedliche Weise nähern.

Sehr persönlich, indem ich von all‘ den Dingen Berichte, die mir in meiner Kindheit und Jugend vertraut und wichtig waren:

meinem Elternhaus, dem TSV Altenwalde, der DLRG Ortsgruppe Altenwalde, dem Cuxhavener SV, dem Tennisclub Altenwalde und last but not least der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Altenwalde.

Natürlich könnte ich ebenso von meiner Schulzeit auf dem Gymnasium Schulstraße (heute: Lichtenberg-Gymnasium Cuxhaven) berichten.

Oder - wie hier angegangen - mit einer historisch-geographischen Darstellung meines Heimatortes.

Wappen von Cuxhaven-Altenwalde
 
   
 
 

Spätantike Silberschale von Altenwalde

Das Landdreieck Bremerhaven - Cuxhaven - Stade zwischen den Mündungen von Weser und Elbe wird im Norden durchzogen von der eiszeitlichen Endmoräne der Hohen Lieth, an deren Rand das Kirchspiel Altenwalde liegt. Dass diese sandige Geestlandschaft ältestes Siedlungsgebiet darstellt und besonders stark besiedelt war, zeigen die Funde aus Altenwalde, Gudendorf, Oxstedt und Holte. Nicht zuletzt die spätrömische ,Silberschale von Altenwalde' hat die Phantasie der Chronisten beflügelt.

Von engen Verbindungen des Gebietes der Wesermündung zum friesischen Raum zeugen die Merowingermünzen von Altenwalde.

Aber erst die Christianisierung unter Karl dem Großen ließ der Siedlung ‚Wolde‘ überregionale Bedeutung zukommen. Der Bau einer fränkisch-karolingischen Burg auf der Altenwalder Höhe ist in Zusammenhang mit den Sachsenkriegen zu sehen, die  Datierung der capella sanctae crucis sanctissimique patris Willehadi sowie der Pfarrkirche St. Cosmas und Damian muss umstritten bleiben. Als eine der fünf Urkirchen des Elbe-Weser-Raumes entwickelt sich die Kapelle mit der Reliquie eines Spanes vom Kreuz Christi zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort. Als Folge heißt es bereits gegen 1075 n.Chr.: "50 Königshöfe besitzt der Erzbischof Adalbert von Bremen, davon ist der größte Wolde,..." Die Verlegung des Benedektinnerinnen-Klosters von Midlum nach Wolde 1282 n.Chr. bildet den kulturgeschichtlichen Höhepunkt in der Entwicklung des Dorfes.

Als das Kloster bereits 1334 n.Chr. in ein 'Neuenwalde' benanntes Gelände verlegt wird, entwickelt sich für das Dorf Wolde der niederdeutsche Ortsname ‚Oldenwolde‘, der 1348 n.Chr. erstmals belegt ist. Mit dem Verschwinden des Altenwalder Kirchenbuches in den Kriegswirren um 1627 n.Chr. wird jedoch diese Blütezeit des Ortes wie auch die genaueren Umstände der Einführung der Reformation verschwommen bis dunkel bleiben.

 

                    

   
 
 

Altenwalde und seine umgebenden Dörfer waren auch immer Zankapfel größerer Mächte. So ist der Ort zwischen Geest und Marsch, Land Wursten und Land Hadeln bzw. Amt Ritzebüttel, Bremen und Hamburg häufiger fast aufgerieben worden.

Zum Kirchspiel Altenwalde gehörten damals alle umliegenden Dörfer. Diese Gemeinden wurden alle hamburgisch, nur über das Dorf Altenwalde selbst erwarb Hamburg nicht die Gerichtsbarkeit. Diese stand dem Erzbischof von Bremen zu, zu dessen Kloster Neuenwalde Grund und Boden des Dorfes gehörten.

So entstand auch 1789 bis 1791 n.Chr. die absurde Situation, dass der Hamburgische Senat für seine Bürger und Gemeindemitglieder auf Bremer Gebiet einen Kirchenneubau in Auftrag gab und bezahlte. Während die Altenwalder zusahen, wuchs unter den Hand- und Spanndiensten ihrer Nachbarn die neue Kirche aus dem Material der alten Feldsteinkirche des Hochmittelalters.

Kreuzkirche Altenwalde

 

                    

   
 
 

V2-Rakete in Altenwalde am 15.10.1945

Die militär-strategische Bedeutung des oberen Elbe-Weser-Dreiecks war bereits durch Karl dem Großen erkannt und durch die Errichtung der Altenwalder Burg Rechnung getragen worden. So nimmt es nicht Wunder, dass dieser Landstrich eine Ansammlung von militärischen Stützpunkten bot.

Unrühmlicher Höhepunkt dieser Entwicklung waren die Raketenabschussbasen für die V1- und V2-Raketen im Zweiten Weltkrieg.

Im Nachkriegsdeutschland wurde Altenwalde zu einem wichtigen Panzerstützpunkt, der im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands wie dem friedlichen Zusammenwachsen Europas an Bedeutung verlor und inzwischen aufgegeben wurde.

 

                    

   
 
 

Literatur:

Winfriet Sievert,

Chronik von Altenwalde. Kirchspiel, Großgemeinde, Stadtteil, Cuxhaven 1994

Winfriet Sievert,

Chronik von Altenwalde. Vier Dörfer - eine Gemeinde, Cuxhaven 1971

Horst Makus,

Marschner, Kunsttöpferei Marschner, in: Makus, Keramik der 50er Jahre. Formen, Farbe und Dekore. Ein Handbuch, Stuttgart 2006, Seite 449

Christa Böckel,

Zweihundert Jahre Altenwalder Kirche 1791-1991. Der Neubau der Altenwalder Kirche 1789 bis 1791, Cuxhaven 1991

Peter Berghaus,

Die merowingischen Trienten von Altenwalde, in: Die Kunde. Zeitschrift für niedersächsische Archäologie. Neue Folge, Band 12 (1961), Seiten 43-61

Ernst Künzl,

Die Schale von Altenwalde. Ein Meisterwerk der spätantiken Silberkunst. Vortrag auf Einladung des Fördervereins Cuxhaven e.V. am 9.12.1987, Cuxhaven (1987)

Ernst Künzl, u.a.,

Die spätantike Schale von Altenwalde, Stadt Cuxhaven, in: Die Kunde. Zeitschrift für niedersächsische Archäologie. Neue Folge, Band 30 (1979), Seiten 133-149

Harald Mielsch,

Schale von Altenwalde mit Marsyas, in: von Prittwitz und Gaffron / Mielsch (Hg.), Das Haus lacht vor Silber. Die Prunkplatte von Bizerta und das römische Tafelgeschirr, Köln/Bonn 1997, Seiten 175-176

Karl Waller,

Das Gräberfeld von Altenwalde, Kreis Land Hadeln. 5. Beiheft zum Atlas der Urgeschichte, (Hamburg) 1957
 
 

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